zeitfenster. V. Biennale Alter Musik. Konzerthaus Berlin 10.–18.04.2010

Presse

Pressestimmen

junge welt, 10.04.10

Die alte Weisheit »Hochmut kommt vor dem Fall« ist der tragende Gedanke der Geschichten von Selbstüberschätzung, Herrschsucht, Verkennung der Realitäten, vom jähen Absturz und von der persönlichen Tragödie. (…) Alles erschröcklich-komische Geschichten, die Stoff zur Satire liefern. Und wie würden die Wände wackeln, wenn die heutigen Librettisten so weit wären, auch Fallstudien etwa von Richard Nixon, Helmut Kohl, Kurt Beck oder Boris Jelzin und Michail Gorbatschow zu dramatisieren oder alte und neue Fälle zu klittern.
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Der Tagesspiegel, 11.04.10

Eine schöne ldee, die Titus Engel da für sein Konzert im Rahmen der »zeitfenster«-Biennale gehabt hat. Um herauszufinden, ob die Komponisten des Barock besser in der Lage waren, menschliche Gefühle darzustellen als moderne Tonsetzer, lädt der multitalentierte Schweizer Dirigent am Montagabend zum Duell Alt gegen Neu ins Radialsystem. (…) Normalerweise weiß ein Komponist nie wirklich, wie seine Musik beim Publikum ankommt (…) Gejubelt wird jedenfalls nur in Ausnahmefällen, weil sich bei neuen Werken keiner mit seinem Urteil so weit aus dem Fenster hängen will. Zu buhen traut sich dagegen selbst beim größten Schrott keiner – schon allein, um nicht als Reaktionär zu gelten. Im Radialsystem gilt dagegen gnadenlos Daumen hoch und Daumen runter, was auf jeden Fall ehrlicher ist und deshalb auch gleich zur Nachahmung für andere Veranstaltungen mit zeitgenössischer Musik empfohlen sei.
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Beitrag in Deutschlandradio Kultur, 12.04.10

Teil 1 (MP3, 03:22 min, 1,55 MB)
Teil 2 (MP3, 03:01 min, 1,42 MB)

rbb kulturradio, 12.04.10

Anfangs schienen die vielen Märsche des Programms etwas zu viel, aber zunehmend gewann man diesen Reiz ab, zumal so brillant in den Blechbläsern gespielt wie hier. Gern hätte man auch mehr zum Thema Geld und Verfall gehört wie in Keisers »Crösus«, aber alles war ja nur ein Vorspiel zur Wiederentdeckung von Telemanns Drama um den Wendenherrscher Gensericus. (…) Die Akademie für Alte Musik spielte präsent, engagiert und sehr lebhaft angeleitet von Christopher Moulds, der sich hier nachdrücklich für weitere Auftritte in Berlin empfahl.
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Berliner Zeitung, 13.04.10

Tim Mead sang den Prinzen mit einer Counterstimme von ganz unaffektierter Wärme und Reinheit, zeigte sich aber auch als souveräner Bezwinger der Koloraturen, die im Gegensatz zum kriegerischen Donnern seines Vaters hier das liebeslustige Blitzen seiner Augen ausmalen. Roberta Invernizzi war zwar artikulationsschwach in den Rezitativen, überzeugte aber in allen kämpferischen wie seelenvollen Facetten des Weiblichen.
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Neues Deutschland, 13.04.10

Das nachdrücklichere Erlebnis gab dagegen der zweite Teil mit Telemann in vorzüglicher Interpretation aller beteiligten Ensembles: Die Akademie für Alte Musik und das Vocalconsort Berlin, die Sopranistin Roberta Invernizzi, der Countertenor Tim Mead und der Bariton Dietrich Henschel leisteten unter Leitung von Christopher Moulds Hervorragendes. Die Vokalkultur (auch des Chores) kam unter der feinsinnigen Zeichengebung des Dirigenten blitzblank zur Geltung. Transparenz und Klangschönheit gaben mancherlei Anlass, Telemann neu zu erleben…
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klassik.com, 13.04.10

Die gleichsam malerische Stimmvielfalt, die Savall seinem kostbaren Instrument von 1697 entlockte, war gleichwohl überwältigend reich. Von dem silbernen Schleier und den schillernden Schlieren, die die Arpeggien von Abels Prélude in d-Moll in den Raum legten, zum düstern Zagen und Klagen der Sainte-Colombes, von den launigen Wechselfällen Machys zu den spleenigen, teils barschen Soldatenstücken Tobias Humes und der Trunkenheit der anonymen Werke spannten sich unabsehbare Register des Ausdrucks und der Gestaltung. (…) Die menschlichen Stimmen, deren musikalische Imitationen die Bühne erleuchtet hatten, erhoben sich abschließend der Bühne gegenüber zu großem Jubel.
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Beitrag von WDR 3 über »Affekthascherei« im Radialsystem, 14.04.10

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Potsdamer Neueste Nachrichten, 15.04.10

Die Erwartungen waren natürlich groß. Und weniger hat einen überrascht, wie spielend leicht Jordi Savall sie sogar noch zu übertreffen wusste. Was einen sprachlos machte, was einen einfach nur staunen ließ während seines Solokonzerts am Dienstag im Kleinen Saal des Konzerthauses Berlin, war dieser klangliche Reichtum, diese gestalterischeVielfalt, diese so klare, so schöne, so überzeugende Musik, die der Meister aus Spanien dort gut anderthalb Stunden auf den sieben Saiten seiner Gambe zelebrierte.
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Kultiversum, 15.04.10

Die größere (Überraschung) ist, dass die Riege der großen deutschen Opernkomponisten des Barock nun neben Keiser, Telemann und Händel ein weiteres Mitglied hat. Denn in seiner 1707 uraufgeführten »Dido« hält der damals erst 24 Jahre alte Graupner locker mit dem großen Vorbild Keiser, aber auch mit dem frühen Händel mit. (…) Ob es noch mehr Graupner-Opern gibt? Bitte schleunigst suchen!
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Berliner Zeitung, 19.04.10

Sechs verschiedene Ensembles geben hier zeitversetzt in vier Räumen Konzerte, nach jeweils zwanzig Minuten kann man zum nächsten Programm wechseln. In der Großraumdisco heißt so etwas »on 4 Floors«. Der Ruf nach neuen Konzertformen wurde beim zeitfenster-Festival offenbar gehört. (…) Hier, wo das Publikum stehen muss, wo die Luft schlecht wird und wo trotz allem das eine oder andere Bierglas Eingang gefunden hat, geschieht endlich der Wandel vom bürgerlichen Kurz-Konzert zum nächtlichen ErIebnis: Die Musik saugt das Bewusstsein ein, Paare halten sich im Arm, Alleingekommene wiegen sich versonnen im Takt. Gäbe es noch ein wenig mehr Renaissance dieser Art – vielleicht müssten sie nicht allein wieder gehen.
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